Ist die Kündigung rechtens? Checkliste für Arbeitnehmer

Bei einer unerwarteten Kündigung ist die Aufregung groß. Man reagiert bestürzt, versteht die Welt nicht mehr und kennt vielleicht nicht einmal den Anlass für die Kündigung. Trotzdem sollte man in solchen Fällen soweit möglich einen ruhigen Kopf bewahren und prüfen, ob die Kündigung überhaupt begründet und vor allem rechtens ist. Um eine klärende Antwort darauf zu finden, im Folgenden ein paar wichtige Fragen, die Sie angesichts einer plötzlichen Kündigung stellen sollten.

  1. Ist die Kündigung schriftlich erfolgt? Haben Sie sie per Post oder persönlich überreicht bekommen? Das ist nämlich Vorschrift. Sollten Sie die Kündigung dagegen per Mail bekommen haben: Kündigungen per Email sind nicht rechtskräftig!
  2. Ist die Kündigung unterschrieben? Und wenn ja, von wem (Chef oder Sekretärin)?
  3. Wann wurde Ihnen die Kündigung zugestellt? Eine Kündigungsschutzklage ist nämlich nur innerhalb von drei Wochen nach Kündigungszugang möglich. Danach wird die Kündigung rechtswirksam. Sollte Sie die Kündigung zu spät erreichen, etwa weil sie zu spät versendet wurde oder Sie im Urlaub sind, dann haben Sie ein Recht auf eine Verlängerung der Frist.
  4. Liegt ein wirklich wichtiger Kündigungsgrund vor? Laut § 626 des BGB ist eine fristlose Kündigung nur dann gerechtfertigt, “wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann.” (Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__626.html)
  5. Wurde die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist eingehalten? Die genauen Angaben dazu finden Sie im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder im Bundesgesetzbuch (§ 622).
  6. Kommt das Kündigungsschutzgesetz in Ihrem Fall zur Anwendung? Dies gilt nur dann, wenn in Ihrem Betrieb oder Unternehmen mehr als 10 Arbeitnehmer beschäftigt sein.
  7. Wurde (falls vorhanden) der Betriebsrat vor dem Ausspruch der Kündigung ordnungsgemäß angehört und hat er der Kündigung zugestimmt? Wenn nicht, gilt die Kündigung als nicht rechtens und kann vor Gericht angefochten werden.
  8. Besteht ein besonderer Kündigungsschutz? Gründe dafür wären zum Beispiel: Schwerbehinderung, Schwangerschaft, Elternzeit oder eine Betriebsratsmitgliedschaft.
  9. Ist die Kündigung sozial gerechtfertigt? Hier müssen gemäß der so genannten sozialen Auswahl etwa folgende Aspekte berücksichtigt werden: das Lebensalter, die Dauer der Betriebszugehörigkeit oder etwa auch vorhandene Unterhaltspflichten.

Sollte sich beim Beantworten der Fragen der Verdacht ergeben, dass bestehende Vorschriften missachtet wurden und Ihre Kündigung nicht rechtens war, sollten Sie am besten einen Anwalt einschalten und mögliche rechtliche Schritte klären. Je schneller Sie die Fragen für sich klären, desto größer ist Ihre Aussicht auf Erfolg.

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